Innovative Energiekonzepte
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Für Eigentümer, WEGs und Hausverwaltungen

Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus

Ein passendes Heizkonzept für Mehrfamilienhäuser

Auch in größeren Mehrfamilienhäusern kommen Wärmepumpen infrage. Entscheidend ist, wie Gebäude, Wärmeverteilung und Warmwasserbereitung zusammenpassen.

Wir prüfen die vorhandene Anlage und zeigen, welche Anpassungen sinnvoll sind. So erhalten Sie eine Grundlage für die Entscheidung über den Heizungstausch.

Praxisbeispiel aus Westerstede: Umstellung von Gasetagenheizungen auf eine gemeinsame Wärmeversorgung. Foto: Thomas Lichtenberger.

Ja. Das Baujahr allein entscheidet nicht über die Eignung. Wichtig sind der Wärmebedarf der Räume, die vorhandenen Heizflächen und die dafür benötigten Heizwassertemperaturen. Hinzu kommen das Warmwasserkonzept und die Möglichkeiten zur Aufstellung.

Eine Sanierung ist in der Regel nicht erforderlich. Bei hohen Wärmeverlusten prüfen wir gezielte Verbesserungen, etwa die Dämmung der Kellerdecke oder der obersten Geschossdecke sowie eine Kerndämmung bei geeignetem zweischaligem Mauerwerk.

Auch Heizkörper sind gut geeignet, wenn sie den Wärmebedarf des jeweiligen Raumes bei der geplanten Vorlauftemperatur abdecken. Günstig sind Temperaturen unter 50 °C an den kältesten Tagen. Ob einzelne Heizkörper ausgetauscht werden sollten, zeigt der hydraulische Abgleich.

Mehr zu Heizflächen und Planung · Gezielt sanieren

Eine zentrale Wärmepumpenanlage versorgt das Gebäude über das vorhandene oder ein neues Wärmeverteilnetz. Bei einer Hybridanlage arbeitet sie mit einem weiteren Wärmeerzeuger zusammen. Ein Gas- oder Pelletkessel kann beispielsweise an besonders kalten Tagen unterstützen oder einen Teil der Warmwasserbereitung übernehmen.

Die Kombination kann einen schrittweisen Umstieg ermöglichen, wenn später weitere Sanierungen vorgesehen sind. Dafür fallen weiterhin Kosten für zwei Wärmeerzeuger und gegebenenfalls den Gasanschluss an. Wir vergleichen deshalb, welche Lösung zum Gebäude und zu den nächsten Modernisierungsschritten passt.

Der Anteil der Wärmepumpe an der Jahreswärme ergibt sich aus der Auslegung und dem Betrieb. Er lässt sich nicht allein aus dem Verhältnis der Nennleistungen ablesen.

Realistisch sind etwa 75% Bedarfsdeckung durch die Wärmepumpe und 25% durch den zweiten Wärmeerzeuger.

Heizung und Trinkwarmwasser stellen unterschiedliche Anforderungen. Während die Räume möglichst mit niedrigen Heizwassertemperaturen warm werden sollen, muss die Warmwasserversorgung Komfort und Trinkwasserhygiene sicherstellen. In einem Mehrfamilienhaus spielen außerdem Leitungswege, Zirkulation und gleichzeitig auftretender Warmwasserbedarf eine Rolle.

Bei zentralen Großanlagen sind im hygienischen Regelfall mindestens 60 °C am Austritt des Trinkwassererwärmers und mindestens 55 °C im gesamten Zirkulationssystem sicherzustellen. Diese Werte beziehen sich auf das Trinkwarmwasser. Welche Untersuchungs- und Betreiberpflichten gelten, hängt von der konkreten Anlage und Nutzung ab.

Die Wärmepumpe muss dafür gegebenenfalls höhere Temperaturen liefern: Bei der Wärmeübertragung über einen Wärmetauscher muss das Heizwasser heißer sein als das zu erwärmende Trinkwasser. Wie hoch die erforderliche Vorlauftemperatur tatsächlich ist, hängt von Wärmetauscher, Speicher und Anlagenkonzept ab. Deshalb reicht die Angabe „60 °C maximale Vorlauftemperatur“ allein für die Auslegung nicht aus.

Eine thermische Desinfektion ist ein gesonderter Betriebsfall. Dabei sind mindestens 70 °C im betroffenen Warmwassersystem einschließlich der Entnahmestellen erforderlich; die vorgeschriebene Einwirkzeit und der Verbrühungsschutz müssen fachgerecht sichergestellt werden. Das ist keine pauschale Vorgabe für die tägliche Betriebstemperatur. Eine gelegentliche „Legionellenschaltung“ ersetzt keinen dauerhaft hygienischen Betrieb.

Eine geeignete Wärmepumpe kann auch die zentrale Warmwasserbereitung übernehmen. Ein zusätzlicher Wärmeerzeuger ist eine mögliche Anlagenvariante. Seine Anwesenheit allein gewährleistet jedoch keine hygienisch einwandfreie Installation.

Weiterlesen: DVGW: Trinkwasserhygiene

Weiterlesen: Viega: Thermische Desinfektion · Trinkwasserverordnung: Untersuchungspflichten

Die zentrale Anlage liefert Heizungswasser bis in die Wohnungen. In einer Wohnungsstation überträgt ein Wärmetauscher dessen Wärme bei Bedarf auf frisches Trinkwasser. Heizungswasser und Trinkwasser bleiben getrennt.

Kurze Warmwasserleitungen innerhalb der Wohnung können Vorteile bieten. Ob eine regelmäßige Legionellenuntersuchung erforderlich ist, richtet sich nach den gesetzlichen Kriterien. Wohnungsstationen sind nicht pauschal von den Hygieneanforderungen befreit, bei passender Auslegung kann man dies aber erreichen.

Die benötigte Vorlauftemperatur hängt von der gewünschten Zapftemperatur und dem Wärmetauscher ab. Ein Konzept mit niedrigeren Heizwassertemperaturen kann eine elektrische Nacherwärmung vorsehen. So ist es auch beim Praxisbeispiel aus Westerstede gelöst.

Weiterlesen: WOLF: Anlagenvarianten mit Wohnungsstationen

Ja, eine weitere Variante sind dezentrale elektrische Durchlauferhitzer oder Speicher. Die Wärmepumpe übernimmt dann die Raumheizung. Das kann den Aufbau der Wärmeversorgung vereinfachen.

Bei Durchlauferhitzern ist die elektrische Anschlussleistung ein wichtiger Aspekt. Viele Geräte für die Versorgung eines Bades liegen beispielsweise bei 21 bis 24 kW. Für ein Mehrfamilienhaus muss die Elektroplanung die gemeinsame Belastung berücksichtigen. Speicher können mit geringerer Anschlussleistung arbeiten, benötigen dafür Platz und verursachen Speicherverluste.

Eine Möglichkeit ist die Umstellung auf eine gemeinsame Heizzentrale. Dafür werden Leitungen zu den Wohnungen benötigt. Je nach Gebäude lässt sich ein stillgelegter Schacht als Leitungsweg nutzen. Ob das möglich ist, hängt vom Bestand und den Anforderungen an die Ausführung ab.

Der Umbau muss zur Nutzung des Hauses passen. Arbeiten an Strängen und in Wohnungen, der Zugang zu den Geräten und die Versorgung während der Umstellung sollten früh abgestimmt werden.

Daneben kommen wohnungsweise Lösungen infrage. Welche Variante wirtschaftlich und baulich überzeugt, lässt sich erst anhand des Gebäudes vergleichen.

Einrohrheizungen erfordern eine besonders sorgfältige Prüfung. Mehrere Heizkörper liegen in einem gemeinsamen Strang. Die verfügbaren Temperaturen und Wassermengen müssen auch für die weiter hinten liegenden Räume ausreichen.

Entscheidend sind die Rohrquerschnitte, Heizkörperleistungen und die tatsächlich erforderlichen Vorlauftemperaturen. Gerade bei größeren Gebäuden kann die Anpassung anspruchsvoll sein.

Eine Hybridanlage ist eine mögliche Lösung. Ob sie erforderlich ist oder eine reine Wärmepumpenversorgung sinnvoll geplant werden kann, zeigt die Untersuchung der Anlage.

Weiterlesen: Bundesverband Wärmepumpe: Einrohrheizungen

Im Gebäude werden geeignete Flächen für die Technik, gegebenenfalls Speicher und die Anbindung an die Wärmeverteilung benötigt. Ein vorhandener Heizraum im Keller kann dafür geeignet sein. Bei einer Aufstellung im Dachgeschoss gehören Tragfähigkeit, Transportweg und Leitungsführung zur Prüfung.

Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen planen wir die Position der Außengeräte und den Schallschutz von Anfang an mit. Ein leises Gerät, ein geeigneter Standort und gegebenenfalls zusätzliche Schallschutzmaßnahmen müssen zusammenpassen. Allein ein bestimmter Abstand zur Grundstücksgrenze reicht zur Beurteilung nicht aus.

Auch der elektrische Hausanschluss gehört dazu. Geplante Ladepunkte für Elektroautos und eine Photovoltaikanlage sollten früh mitbetrachtet werden.

Weiterlesen: Umweltbundesamt: Planung und Aufstellung

Luft-Luft-Wärmepumpen

Sie geben Wärme über Innengeräte direkt an die Raumluft ab. Das vorhandene wassergeführte Heizsystem wird dafür nicht benötigt. Die Versorgung aller Räume und die Warmwasserbereitung werden gesondert geplant. Diese Lösung kann bei der Ablösung von Gasetagenheizungen einen Vergleich wert sein.

PVT-Kollektoren als Wärmequelle

PVT verbindet Stromerzeugung und thermische Nutzung auf derselben Kollektorfläche. Geeignete PVT-Systeme können einer Sole-Wasser-Wärmepumpe als Wärmequelle dienen. Damit kommt eine Alternative infrage, wenn die Aufstellung eines Luft-Außengeräts schwierig ist. Dachfläche, Quellenauslegung und eine mögliche Ergänzung der Wärmequelle müssen zum Gebäude passen.

Gemeinsame Versorgung mehrerer Gebäude

Bei großen Objekten oder mehreren Häusern kann ein gemeinsames Wärmekonzept sinnvoll sein. Unterschiedliche Wärmeerzeuger können zusammenarbeiten. Dabei wird festgelegt, welcher Erzeuger welchen Temperaturbereich und welchen Anteil des Wärmebedarfs übernimmt.

Die Kosten entstehen aus dem gesamten Umbau: Wärmeerzeugung, Warmwasserbereitung, Wärmeverteilung, Elektroarbeiten und bauliche Anpassungen. Besonders die Umstellung von Gasetagenheizungen auf eine zentrale Anlage kann zusätzliche Leitungsarbeiten erfordern.

Im Betrieb wirken sich die erreichte Jahresarbeitszahl, der Stromtarif und bei Hybridanlagen der verbleibende Brennstoffbedarf aus. Hinzu kommen Wartung, feste Anschlusskosten und die Verluste von Speichern und Verteilung.

Eine Photovoltaikanlage kann einen Teil des Stroms liefern. Sie ist keine Voraussetzung für den Einsatz einer Wärmepumpe. Wie viel Solarstrom tatsächlich genutzt werden kann, hängt von Erzeugung und Verbrauch im Jahresverlauf ab.

Die Kosten einzelner Projekte geben Anhaltspunkte, ersetzen aber kein Angebot für Ihr Gebäude.

Beispielrechnung zu den Energiekosten · Wärmepumpe und Photovoltaik

Seit dem 29. Juli 2026 gelten wesentliche Neuregelungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Die frühere einheitliche 65-%-Vorgabe ist entfallen. Bei neu eingebauten Gas- und Ölheizungen sind weiterhin die für den jeweiligen Fall geltenden Anforderungen zu berücksichtigen.

Für die Entscheidung im Mehrfamilienhaus betrachten wir deshalb das Versorgungskonzept, die Entwicklung der laufenden Kosten und die Anforderungen an den Betrieb gemeinsam. Bei vermieteten Gebäuden gehören auch Kostenverteilung und Abrechnung in die Vorbereitung.

Weiterlesen: Bundesregierung: Gebäudemodernisierungsgesetz

Regionale Praxisbeispiele

Verschiedene Gebäude, passende Konzepte

Die folgenden Beispiele zeigen konkrete Ausgangslagen und Anlagen. Die genannten Jahresarbeitszahlen sind Planungsprognosen, keine nachgewiesenen Jahresmesswerte. Projektangaben: Stand Juni 2026.

Mehrfamilienhaus von 1951. Foto: Thomas Lichtenberger.

Altbau von 1951 mit acht Wohnungen

Das Gebäude umfasst rund 430 m² Wohnfläche und wird über Heizkörper beheizt. Die Modernisierung umfasste eine nachträgliche Kerndämmung und eine Kellerdeckendämmung mit 10 cm PU-Dämmplatten.

Hinzu kamen eine Photovoltaikanlage mit 12 kWp und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit angegebenen 12 kW Heizleistung bei einer Gebäudeheizlast von 15 kW. Für die Wärmepumpe wurde eine Jahresarbeitszahl von etwa 4,5 erwartet.

Das Beispiel verbindet gezielte Maßnahmen an der Gebäudehülle mit einer Umstellung der Heiztechnik.

Westerstede: zwölf Wohnungen mit gemeinsamer Hybridanlage

Zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt zwölf Wohnungen und rund 700 m² Wohnfläche wurden von Gasetagenheizungen auf eine gemeinsame Hybrid-Zentralheizung umgestellt. Zusätzliche Sanierungen an der Gebäudehülle erfolgten in diesem Projekt nicht.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 12 kW arbeitet mit einem Gas-Brennwertkessel zusammen. Die Normheizlast der Gebäude beträgt zusammen 26 kW. In Wohnungsstationen wird Trinkwasser über Heizungswasser vorgewärmt und bei Bedarf elektrisch nacherwärmt. Für die Wärmepumpe erwartete der Installateur eine Jahresarbeitszahl von etwa 3,5.

Für die vermieteten Wohnungen wurden Umbaukosten von rund 15.000 Euro je Wohneinheit angegeben. Das ist ein projektbezogener Wert und keine allgemeine Kostenpauschale.

Varel: Heizungstausch in einem Gebäude von 2014

In diesem gut gedämmten Mehrfamilienhaus war die bisherige Heizung nach elf Jahren defekt. Eingebaut wurde eine Hybridanlage aus Wärmepumpe und Gas-Spitzenlastkessel. Für die Gesamtanlage wurden rund 60.000 Euro genannt, davon etwa 8.000 Euro für den Gaskessel.

Das Warmwasserkonzept war ein wesentlicher Teil der Anlagenentscheidung. Ob eine Hybridanlage auch für ein anderes Gebäude sinnvoll ist, muss anhand der dortigen Anforderungen geprüft werden.

Fünf Fragen für eine belastbare Planung

  1. Wie hoch ist die Heizlast? Wir ermitteln den Wärmebedarf des Gebäudes und seiner Räume.
  2. Welche Vorlauftemperatur wird benötigt? Heizflächenprüfung und Planung der Wärmeverteilung zeigen notwendige Anpassungen.
  3. Wie wird Warmwasser erzeugt? Das Konzept berücksichtigt Bedarf, Komfort und Hygiene.
  4. Wo steht die Technik? Platz, Leitungswege, Schall und Elektroanschluss werden zusammen betrachtet.
  5. Wie wird das Vorhaben umgesetzt? Kosten, Zuständigkeiten und Abrechnung werden früh geklärt.

Sie planen eine neue Heizung für Ihr Mehrfamilienhaus? Sprechen Sie mit uns über den Bestand und Ihre nächsten Schritte.